Schreiben "nach den neuen Regeln"?

Wenn behauptet wird, "wir schreiben nach den neuen (amtlichen) Regeln", so stimmt das meist mitnichten. Bestenfalls lässt sich sagen: "Wir schreiben nach dem neuen, amtlichen Wörterverzeichnis", meistens wohl: "Wir schreiben nach dem, was Duden/Wahrig & Co. daraus gemacht haben." Kaum jemand schlägt wohl wirklich im Regelteil der amtlichen Regelung nach. Denn dann ließe sich feststellen: Die Regeln sind zum Teil so schlecht, zum Teil einfach falsch formuliert, daß (sic!) sich die Schreibungen im Wörterverzeichnis oder in den Beispielen oft gar nicht aus dem Regelwortlaut ergeben! Folgte man dem Regelwortlaut, müsste z.B. "Müze" statt "Mütze" geschrieben werden, "dreisig" statt "dreißig", es müsste "Mac-ho" getrennt werden und es dürfte auch "Pa-rlament" getrennt werden. Es gibt noch viele weitere solcher Fälle... Statt über Sinn und Unsinn bestimmter Neuschreibungen zu debattieren, sollte zunächst das Regelwerk auf seine Stringenz hin überprüft und überarbeitet werden. Sonst kann niemand ernsthaft behaupten (oder gar, z.B. in der Schule, verlangen), daß "nach den neuen Regeln" geschrieben wird. Bis dies grundlegend verbessert ist, plädiere ich dafür, mit einigen prägnanten Abweichungen von der Reformschreibung (die auch zu einem Kompromiss taugen) auf die Unausgegorenheit des Reformtextes aufmerksam zu machen! (So schreibe ich "daß" und "miß-", weil auch sonst in Funktionswörtern und Vorsilben Konsonanten im Auslaut in der Regel gerade nicht doppelt dargestellt werden, vgl. "in, um, ab, mit, un-". Ich trenne außerdem ck nach den Grundregeln c-k. ck ist eher vergleichbar mit ff, tt usw., oder auch mit dt, als mit sch, ch, ph usw.)

4.3.07 01:19

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen