„Majonäse ist eine Erfindung der Rechtschreibreform.“

– ein populärer orthografischer Irrtum –

In der Presse wurden im Zuge der Diskussion um die Rechtschreibreform oft gerne möglichst aufsehenerregende Beispiele für die neu eingeführten Schreibungen vorgestellt. Ein oft zitiertes Beispiel ist die angebliche Neuschreibung Majonäse. Doch Majonäse war schon vor der Reform eine erlaubte Schreibvariante für Mayonnaise! Und zwar schon ziemlich lange. Im Duden von 1929 (10. Aufl.) findet sie sich noch nicht, jedoch bereits in der 12. Auflage von 1941 wird sie als bekannt vorausgesetzt und genannt. Daß sie keineswegs Erfindung des Dudens war, zeigt sich daran, daß sie in dieser Ausgabe unter dem damaligen sprach-"pflegerischen" Aspekt in Winkel eingeschlossen war. Diese "schließen Schreibungen und Ausdrücke ein, die, obwohl sie gelegentlich gebraucht werden, zu vermeiden sind oder als entbehrlich gekennzeichnet werden sollen" (S.12*). In den folgenden Ausgaben wurde die Schreibung, soweit ich sehe, immer genannt – bis zur letzten Dudenausgabe vor der Reform.

Dies ist ein schönes Beispiel dafür, mit was für einem Halbwissen und mit was für einer Blauäugigkeit, Aussagen über sprachliche Gegebenheiten, weitervermittelt werden. Auch Leute und Institutionen, denen man unterstellt, sie kennten sich mit der deutschen Sprache aus, sitzen solchen Irrtümern auf und verbreiten sie unbesehen. Vgl. z.B. Bastian Sick im Zwiebelfisch vom 2. März 2006
("Die reformierte Reform"). zu den Veränderungen durch die Reform: "Dass man Mayonnaise jetzt auch Majonäse schreiben kann [...]".

15.1.07 13:45

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